Sölli oder sölli nöd?

Am vergangenen Dienstagabend führte die Mittelstufenklasse der Schule Mammern das Theater «Ein Hoch auf uns!» auf. Das Stück, welches von den Schülerinnen und Schülern musikalisch begleitet wurde, war in der Vorwoche im Rahmen eines Klassenlagers einstudiert worden.

Eröffnet wurde der Abend durch eine Ansprache der Lehrerin Carola Oberberger, einer aparten Erscheinung mit Hornbrille und kinnlanger blonder Bob-Frisur. «In letzter Zeit gibt es bei uns in der fünften und sechsten Klasse viel Streit und Tränen», so Frau Oberberger – bei der es sich in Wirklichkeit um einen zehnjährigen Mammerer Nachwuchsschauspieler handelte. Genau wisse sie nicht, warum das so sei, es habe aber mit einer Fussballclique zu tun.

Die Woche vom 11. März hatten die Schülerinnen und Schüler im Klassenlager in Heiden verbracht. Im Zentrum der Aktivitäten stand das gemeinsame Entwickeln und Proben eines Theaterstücks, zu dem der (real existierende) Klassenlehrer Jan Lendenmann als Drehbuchautor die Basis gelegt hatte. Von einem Teil der Klasse wurden unter Anleitung des Musiklehrers Felix Trippel Lieder einstudiert, die passend gewählt und teilweise sogar eigens für das Stück geschrieben worden waren.

«Sölli oder sölli nöd?», diese Frage stellt sich der Sechstklässler Aaron Bantli in seiner Rolle als Alex zu Beginn des Stücks. Soll er eine Klassenkameradin zum Weinen bringen, um die Aufnahmebedingungen einer rabiaten Fussballclique zu erfüllen, der er gerne angehören würde, oder soll er sich anständig verhalten? Die von Alex gewählte Lösung führt im Theater zu weiteren Verwicklungen, zu Gewalt und Gegengewalt, bis sich die Klasse schliesslich in einer Diskussionsrunde unter Leitung der lebenserfahrenen Frau Oberberger zusammenrauft und auf ein gemeinsames Ziel einigt. Auf unterhaltsame, dabei aber keineswegs oberflächliche Art wurde das Thema «Miteinander» verhandelt. Dieses hatte zuvor schon als Lagermotto gedient.

Neben den schauspielerischen Leistungen beeindruckten die musikalischen Darbietungen zwischen den Szenen. Moderne Songs wie «Ein Hoch auf uns» von Andreas Bourani, «Dog-faced boy» von den Eels und «Die Mutigen» von Silbermond wurden überzeugend vorgetragen und instrumentalisch begleitet. Stark, was diese Fünft- und Sechstklässler innert weniger Tage gelernt hatten! Sogar ein Song «Sölli oder sölli nöd?», von Felix Trippel speziell für den Anlass komponiert, war zu hören.

Zum Abschluss des Abends wurde danke gesagt: der Lagerköchin («alles sehr gut!», lautete das Urteil eines anonymen kleinen Gastrokritikers), dem Beleuchtungstechniker, den Lehrpersonen, die das Lager ermöglicht und begleitet hatten, und schliesslich den neuen Sternchen am Theater- und Musikerhimmel. Einziger Wermutstropfen: Die Uraufführung war zugleich Dernière. Dafür gab es anschliessend einen Apéro und eine Vernissage mit Fotos, Malereien und Plakaten über Jugendbücher, welche allesamt ebenfalls im Lager zum Thema „Miteinander“ entstanden waren.